Im Mediengeschäft gilt zwar der Grundsatz: „Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht“, aber im Fall der folgenden ist das ganz anders. In der Ärzte Zeitung steht, jeder zweite Bundesbürger ab 50 sei mit seinem Liebesleben „sehr zufrieden“. Diese Nachricht ist nicht nur deshalb gut, weil sie höchst wahrscheinlich für einen Großteil der Bevölkerung verblüffend wirkt.
Das passt nicht in den Rahmen
Ich bin davon überzeugt, dass solche Nachrichten in der Öffentlichkeit Spuren hinterlassen. Nicht von heute auf morgen, eher langsam aber sicher. Warum? Der Arbeitsmarkt schickt Menschen um und über die Fünfzig mit Vorliebe vor die Werkstore und ab ins private Jenseits. Das hat Kostengründe, das hat mit krankheitsbedingtem Personalausfall zu tun – jedoch nicht nur. Es hat auch mit dem Bild zu tun, das eine produktive, junge Machergeneration von älteren Menschen hat. Und dieses Bild passt nicht in den Rahmen, in dem sie sich selbst betrachtet.
Diesbezüglich spielt sexuelles Verhalten eine wesentliche Rolle. Junge Menschen kommen nicht auf die Idee, in Frage zu stellen, ob ihresgleichen sexuelle Bedürfnisse hat. In ihren Augen ist es einfach selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist es für die Macher-Generation, dass Ältere und Alte sich aus Sex nichts (mehr) machen. Das hat mit dem zu tun, was Kinder im Elternhaus mitbekommen. Vielfach wachsen sie mit der Vorstellung auf, Eltern seien auf der Welt, um Geld zu verdienen und Kinder zu behüten beziehungsweise zu erziehen.
Klebrige Vorstellung
Bei manchen bleibt diese Vorstellung haften wie ein Kaugummi unterm Schuh. Doch wer ältere Menschen als sexuell desinteressiert einstuft, stuft sie zumindest unterbewusst auch ab. Denn wer aufgrund seines Alters keinen Spaß mehr an dem hat, was für Jüngere geradezu existentielle Wichtigkeit hat, der ist außen vor. Mit dem kann man sich über Liebe, Erotik und Lust allenfalls so gut unterhalten wie mit einem Hund über die politische Weltlage.
Aus Umfragen ist bekannt, dass mit 70 Jahren noch ein Drittel der verheirateten Frauen Sex hat. Bei den Männern sind es sogar 50 Prozent, und viele Männer erhalten sich ihre Potenz bis ins hohe Alter.
Sinnlichkeit statt Tabu
Zur Vorstellung ihres neuen Buches „Verführung zur Lebenslust“ sagt die Schauspielerin Christine Kaufmann (62) gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Ich bin sehr gerne Großmutter, aber ich habe auch mein eigenes Leben.“ Offen spricht sie über ihre Einstellung zu Sex und Erotik im Alter: „Man muss sich immer neu entdecken. Sex und Erotik im Alter sind etwas wunderbar Sinnliches, kein Tabu. Ich selbst bin ein sehr treuer Mensch. Aber langjährige Partnerschaften, in denen aus Liebe Freundschaft geworden ist, vertragen bei gegenseitigem Respekt sogar ein Abenteuer außer Haus.“
So dargestellt hat Alter etwas Geheimnisvolles. Etwas Besseres kann der älteren Generation kaum passieren. Denn Geheimnisse animieren dazu, sie zu lüften. Und das klappt nur, wenn man sich offen, wissbegierig und respektvoll mit dem Geheimnisvollen befasst.
quelle: http://www.liebe-art.de/in-partnerschaft-leben/erotik-des-alters/468
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