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Sonntag, 8. August 2010

Sexualität: Kein Privileg für die Jungen

Aktuelle Untersuchungen bestätigen es: Auch Senioren sind noch aktiv im Bett. Menschen, die ihr Leben lang Gefallen an der Sexualität gefunden haben, verlieren dieses nicht auf einmal, nur weil sie älter werden. Allerdings ändern sich die Techniken zum Teil, denn das Altern geht mit körperlichen Veränderungen einher.

Insbesondere wenn man an die eigene Familie - die Eltern oder Großeltern - denkt, kann man häufig nicht glauben, dass da noch "was im Bett läuft". Denn Sexualität ist nach der gängigen Vorstellung den Jungen vorbehalten. Sie sind aktiv, strotzen vor Gesundheit und treiben es auch sonst recht wild. Die Alten hingegen? Sie haben mit Krankheiten und Wehwehchen zu kämpfen - da bleibt die Lust doch bestimmt auf der Strecke?

Nach den Erfahrungen der Sexualtherapeutin Ildiko Sobeslavsky aus Dresden wird die Sexualität im Alter vielmehr weitgehend von der sexuellen Vorgeschichte bestimmt: "Wer sexuelle Aktivität, Phantasie und Vielseitigkeit in jüngeren Jahren besaß, der wird dies auch im Alter beibehalten."

Die meisten älteren Menschen sind noch sexuell aktiv - mit oder ohne Partner

Dass dies noch sehr häufig der Fall ist, konnte in einer Befragung belegt werden. In ihr gaben in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen immerhin 84 von 100 Befragten an, noch bis zu dreimal in der Woche Intimkontakt mit einem Partner zu haben. Auch die 70- bis 79-Jährigen verlieren noch nicht die Lust: In dieser Altersgruppe sagten 73 von 100 Befragten, sie würden noch regelmäßig Geschlechtsverkehr haben. Und von den 80- bis 91-Jährigen fanden noch 60 von 100 Gefallen an der Sexualität. Hinsichtlich der Häufigkeit gab es allerdings große individuelle Unterschiede. Sie reichte von "weniger als einmal im Monat" bis hin zu "dreimal pro Woche".

Von den Frauen im Alter über 70 Jahren gab zwar ein Drittel an, keine Sexualkontakte mehr zu haben, doch meistens war nicht mangelndes Interesse, sondern der fehlende Partner der Grund. Aber auch in diesen Fällen wissen sich die Älteren zu helfen und bedienen sich der gleichen Mittel wie in jungen Jahren: Sie masturbieren. Von den über 65-Jährigen befriedigte sich jede dritte Frau und jeder zweite Mann mindestens einmal im Monat selbst. Auf mehrmals pro Woche kamen noch 17 von 100 Männern, jedoch nur 2 von 100 Frauen.
Körperliche Veränderungen können den Sex erschweren

Das Altern geht mit körperlichen Veränderungen einher, die durchaus einen Einfluss auf die Sexualität haben. Bei den Frauen sinkt beginnend mit den Wechseljahren beispielsweise der Östrogenspiegel im Blut. Dadurch wird unter anderem die Schleimhaut der Scheide weniger elastisch, dünner und trockener. Deshalb kann der Geschlechtsverkehr leichter zu Verletzungen, Rissen in der Schleimhaut und Schmerzen führen. Auch bei Männern sinkt der Spiegel des Geschlechtshormons Testosteron im Blut, außerdem verliert das Gewebe des Penis an Elastizität. Dadurch lässt die Erektionsfähigkeit nach. Der Penis wird nicht mehr so schnell und zuverlässig steif, auch der Erektionswinkel nimmt ab ("er ist nicht mehr so standhaft und kommt nicht mehr so hoch").

Hinzu kommen chronische Erkrankungen, die bei älteren Menschen weit verbreitet sind und insbesondere bei Männern einen Einfluss auf die Sexualität haben können. Zu ihnen gehören beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes und Atherosklerose.
Leistungsprinzip steht nicht mehr im Vordergrund

Doch wie die Befragung belegt, lassen sich die Senioren von diesen zum Teil natürlichen und zum Teil krankheitsbedingten körperlichen Einschränkungen nicht von ihrer Lust abbringen. Zum einen gibt es medikamentöse Möglichkeiten, diesen Veränderungen entgegenzuwirken (z.B. Potenztabletten für Männer). Zum anderen zeigt die Praxis, dass sich viele der altersbedingten Probleme mit Hilfe von Phantasie und vielfältigen Techniken umgehen lassen. So nannten die Befragten alle Formen der erotisch sexuellen Kontaktaufnahme, besonders häufig aber manuelle und orale Kontakte. Dementsprechend empfinden viele Senioren den Sex auch dann als gut oder als "eine heiße Nummer", wenn es nicht zur genitalen Vereinigung gekommen ist.

"Beide Geschlechter haben an Aktivitäten wie Händchenhalten, Küssen und Umarmungen ähnliches Interesse, d.h. der Beziehungs- und der Erotikkomplex nimmt mit zunehmendem Alter an Bedeutung zu und die Genitalität nimmt ab", erklärt Sobeslavsky. Im Alter würde auch bei Männern nicht mehr das Leistungsprinzip im Vordergrund stehen, sondern mehr Wert auf Zärtlichkeit, Nähe und Geborgenheit gelegt, so die Diplompsychologin weiter.
Quelle:Sobeslavsky I: gynäkol prax 2000;24:713-25

ex ab 40 Endlich 40! Endlich toller Sex!

Sex wird mit den Jahren immer besser! Woher wir das wissen? Aus genussvoller Erfahrung. Fünf Vorurteile über Frauen und Sex ab 40 - und warum sie völliger Unsinn sind.


Vorurteil Nr. 1: Frauen ab 40 haben weniger Lust auf Sex

Ganz falsch. Eine Studie der Freien Universität Berlin unter 521 Frauen zwischen 50 und 70 beweist, dass Frauen bis ins hohe Alter genuss- und orgasmusfähig bleiben. Das wundert mich kein bisschen. Neulich rief mich eine Freundin (48) an und erzählte von ihrem neusten Lover, einem Winzer (44) aus Österreich. "Du, ich hatte noch nie so geilen Sex!", sagte sie. Wörtlich. Ich schluckte. So nackt und pur hätte ich es vielleicht nicht ausgedrückt.

Aber: Warum nicht? Sexuelle Gesundheit ist, wenn die Freude über die Scham siegt. Eine andere Freundin (49) sagt: "Auf einen Mann im Haus kann ich verzichten. Mir fehlt nur der Sex." Wir mussten mächtig lachen, es klang nach später Läuterung. Denn vor mehr als 20 Jahren saßen wir drei zusammen, alle frisch verheiratet und junge Mütter. Und wir erzählten uns, wie glücklich wir sind mit unseren Männern, den jungen Vätern. Sie waren lieb und hatten spannende Jobs. Und sie wollten keine andere. Immer nur uns. Und das andauernd. Das war irgendwie schmeichelhaft, aber hauptsächlich nervig. Wir waren müde vom Babystress, waren hormonell noch aus der Bahn geworfen nach der Geburt, das Leben war jung und ungeordnet. Fragen wie Schnuller ja oder nein, Teppichkauf, Wochenendhaus, Raten fürs Auto gingen uns durch den Kopf - und stritten sich heftig mit den Wünschen des (möglicherweise nicht sehr einfühlsamen, weil unerfahrenen) Mannes nach sexueller Grundversorgung.

Seit wir aber alle drei unsere Lieblingsrezepte aus dem Hut können, Miete, Telefon und Versicherungen regelmäßig vom eigenen Konto abgebucht werden, die Kinder nur noch zu Besuch kommen und das Verhältnis zu den eigenen Eltern einigermaßen geklärt ist, haben wir viel mehr Zeit und Muße. Besonders für richtig guten Sex.

Vorurteil Nr. 2: Frauen ab 40 sind nicht mehr sexy

Die Soziologie hat das hässliche Wort "erotische Tarnkappe" erfunden, die sich ab einem bestimmten Alter über die Frauen senkt. Nur knapp die Hälfte aller über 40-jährigen hat laut dem amerikanischen Kinsey-Nachfolgereport "Sexwende" noch ein Sexleben. Beobachtung im Bekanntenkreis: Frauen stülpen sich vorsorglich selbst die Tarnkappe über, aus Angst, nicht mehr attraktiv genug zu sein. Zugegeben, am schönsten waren wir vermutlich mit 16. Es gibt ein Foto: Da liege ich, gleichmäßig gebräunt, nackt im heißen Ostseesand und träume. Wovon, weiß ich nicht, aber ganz gewiss nicht von wahnsinnigem Sex.

Wer mich da so liegen sieht, denkt aber wahrscheinlich genau daran. Inzwischen hat dieser Körper zwei Kinder geboren, er hat Sonnenbrände überstanden und Jahre im Sitzen vorm Computer. Und Tränen geweint. Und Rotwein-Räusche weggesteckt. Und Umweltschäden. Und Fressattacken. Er ist wie ein solider Gebrauchtwagen. Mit TÜV für die nächsten drei Jahre.

Kein Grund für prüde Zeiten. Mehrere Männer haben mir im guten Fachgespräch bestätigt, dass sie selbstsichere und erfahrene Frauen schätzen. Sie wollen nicht immer Reiseleiter sein. Sie sagen: Was stört mich eine Falte am Hintern? Auf die Performance kommt es an. Ich weiß nicht, ob meine Feldstudie repräsentativ ist. Muss sie auch nicht. Ich denke: Er muss ja wissen, warum er mich will, gezwungen habe ich ihn jedenfalls nicht. Also: Wozu die Laune verderben mit angstvollen Gedanken über Gewebefestigkeit? Sex ist doch kein Haltbarkeitstest für Polstermöbel.

Solange es tolle Männer gibt, die ihr Älterwerden nicht mit einer jungen Geliebten kompensieren müssen, geht die Sache für mich und meine Freundinnen in Ordnung. Wir brauchen keine Warteschleife mehr mit Kerlen, die auf uns scharf sind. Nicht mal fürs Ego. Wir haben inzwischen andere Sachen entdeckt, die uns stark machen. Längst nicht mehr die zweifelhaften Angebote von Typen, die mal eben die Elastizität des Materials prüfen wollen.

Vorurteil Nr. 3: Frauen ab 40 sind sexuell genügsamer

Wieso denn das? Wissenschaftlich bewiesen ist: Seine sexuellen Aktivitäten lassen ab 30 kontinuierlich nach, ihre erreichen im selben Alter einen Höhepunkt und bleiben sehr lange auf einem unverändert hohen Niveau! Sinken sie später irgendwann, dann meist wegen seiner reduzierten Sexualität. Auch Umfragen im Freundinnenkreis bestätigen: Wir sind eher anspruchsvoller geworden. Eine meiner Freundinnen sagt: "Es ist wie mit dem Essen. Ich esse gut oder gar nicht." Sex dito - gut oder gar nicht.

Nie wieder lassen wir uns nächtelang mit hilflosem Gefummel vom Schlaf abhalten. Und nie wieder glauben wir, einem Mann irgendetwas an- oder abgewöhnen zu können. Er kann's oder er kann's nicht. In letzterem Fall ist die Sache für uns recht schnell gelaufen. Obwohl: Natürlich sind wir dankbar, wenn’s uns gut geht, wenn jemand lieb zu uns ist. Wir haben ja selbstverständlich all die romantischen Gefühle, die dazugehören. Nur weniger Illusionen.

Vorurteil Nr. 4: Frauen ab 40 kriegen keinen mehr ab

Für diese Banalität braucht man keine Statistik: Junge Männer treiben es mit jungen Frauen und ältere Männer treiben es ebenfalls mit jungen Frauen. Doch keine Panik: Es gibt auch den Gegentrend. Und man muss kein Star sein, um attraktive Männer für sich zu interessieren. Seit wir wirklich wissen, was ein Mann für uns tun kann - und wir für ihn, erweitert sich der Kreis der Kandidaten nämlich dramatisch.

Der Mann in meinen Armen ist zunächst mal nur der Mann in meinen Armen. Weder ist er der Feind, der jeden Moment abhauen will, weil er sich zu Familie und anderen Konsequenzen nicht durchringen kann. Noch ist er potenzieller Familienvater. Darum geht's gar nicht. Ja, ich will, sagen Frauen wie wir nicht mehr auf dem Standesamt. Der Mann steht nicht mehr für alles Glück der Welt. Und kann darum auch nicht so sehr enttäuschen. Sein Status ist uns egal, denn den haben wir inzwischen selbst. Selbst wenn er bei der Mama durchfallen würde - na und? Sie redet längst nicht mehr mit. Und da ist auch nicht die Schere im Kopf: Passt er? Hält er ein Leben lang? Bietet er Schutz und Sicherheit? Die Kriterien haben sich vereinfacht: Riecht er gut? Macht es Spaß mit ihm? Kann er gelegentlich die Espressomaschine bedienen? Klar sind die Anfragen seltener geworden. Na und? Mehr als einen braucht doch keine zur Zeit.

Vorurteil Nr. 5: Frauen ab 40 wollen lieber kuscheln

Ach was. Kuscheln ist schön. Aber Sex ist Sex. Die Medizin empfiehlt ihn fürs gesunde Leben genauso wie sportliche Aktivität. So leiden Frauen mit erfüllter Sexualität weniger unter den Wechseljahren und sind seltener depressiv. Sex ist als Anti-Aging geradezu ideal. Erica Jong zitiert in einem Essay über Sex im Alter die Sexualwissenschaftlerin Professor Beverly Whipple von der Rutgers-Universität: "Das Einzige, was ältere Menschen in Bezug auf Sex akzeptieren müssen, ist, dass der Sex anders ist: entspannter."

Wunderbar! Sex hat nur mit dem Moment zu tun und nichts mit der Welt. Er bestätigt, besänftigt, verbindet. Er hat endlich den Platz, an den er gehört. Meine Freundinnen seufzen: "Schade, dass wir das erst jetzt wissen." Man kann eben nicht alles haben: Erst hatte man den makellosen Körper - und keine Ahnung, was man damit anfangen kann. Jetzt hat man ein paar Makel - dafür geht's noch mal richtig los. Wenn wir nur wollen!

quelle: http://woman.brigitte.de/leben-lieben/liebe-sex/sex-ab-40-1023988/

Sex im Alter: "Das ist doch abartig, Mama!"

Nicht nur im Kinofilm "Wolke 9" ist Sex jenseits der 60 ein Thema. Alte Menschen haben Lust auf Sex, entweder mit ihrem langjährigen Partner - oder mit einem neuen. Sie empfinden ihr Sexualleben intensiver als früher. Doch oft funken ihre erwachsenen Kinder dazwischen, Sex im Alter ist verpönt.


Lebensbejahende, vitale Frau mit Ausstrahlung, 79 Jahre, 1,66 groß, sucht jung gebliebenen Herrn ab 70, der Lust auf Zärtlichkeit hat" - diese Kontaktanzeige hat Regina M. (Name geändert) in mehreren Zeitungen aufgegeben. Seit fünf Jahren ist sie Witwe und seit kurzem wieder auf der Pirsch. Montags turnt sie, donnerstags spielt sie Schach, ein "Männersport", wie sie lächelnd sagt. Und samstags geht sie zum Tanzcafé, freut sich diebisch auf Rock 'n' Roll und Damenwahl. Da merkt sie schnell, ob ein Mann ihr gefällt. "Mir fehlt der sexuelle Kontakt zu einem Mann, ich hätte richtig Lust dazu", sagt sie.

Doch ihre Kinder sind strikt dagegen. Als sie die Kontaktanzeige beim Wochenendbesuch auf dem elterlichen Küchentisch fanden, waren sie empört. "Mensch Mama, das ist doch abartig!", schimpften sie. Niemand könne ihren Vater ersetzen und überhaupt: Ihre Mutter sei einfach zu alt für Sex.

Sex im Alter ist verpönt. Obwohl fast alle älteren Menschen Sex haben - oder gerne hätten. Doch die Gesellschaft macht es ihnen schwer: "Oft meinen vor allem Jüngere, Sex gehöre sich im Alter nicht mehr", sagt der Bonner Psychologe Rolf Hirsch, der sich mit der Sexualität älterer Menschen beschäftigt. Das Problem: Die Senioren glauben das oft auch selbst.
In der Werbung ist Sex ein Privileg der Jugend

Altsein wird verbunden mit: Kaffeekränzchen, Besenreisern, Anti-Falten-Cremes, Darmfloratabletten und Glatzenpolitur. Sex gehört allein der Jugend, zumindest in der Werbung: Täglich liegen da muskulöse, sonnengebräunte Männer lässig an einem Traumstrand, werden verwöhnt von schönen, jungen Frauen, mal mit Säften, mal mit Pralinen. Ein runzeliger Körper passt schlichtweg nicht in diese Südseekulisse.

Doch Sex gehört sehr wohl bis ins hohe Alter dazu. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Chicago. 73 Prozent der amerikanischen Bevölkerung von 57 bis 64 Jahren haben Geschlechtsverkehr, unter den 65- bis 74-Jährigen ist es rund die Hälfte. Erst ab 75 Jahren sinkt die Quote. Grund ist jedoch weniger die schwindende Lust, sondern akuter Mangel an Männern, die einfach früher sterben.

Das Ehepaar Balzer schert sich wenig um den Jugendwahn. Manchmal liegen sie morgens stundenlang im Bett. Liebkosen und küssen sich - schlafen miteinander. Ganz so wie früher. Renate Balzer ist inzwischen 69 Jahre alt und seit 50 Jahren mit ihrem Mann Manfred verheiratet. Der Sex hat sich mit den Jahren verändert. "Früher waren wir manchmal spontaner, schnell und impulsiv", sagen sie. Heute nehmen sie sich mehr Zeit füreinander und empfinden ihren Geschlechtsverkehr intensiver und intimer. Für sie ist Sex ein morgendliches Ritual: "Weil wir dann einfach fitter sind."
Zärtlichkeiten werden wichtiger

Mit steigendem Alter verändert sich die Art der sexuellen Kontakte. "In der Regel hat man weniger Sex, denn der reine Geschlechtsverkehr verliert an Bedeutung", sagt Gerontopsychologe Hirsch. "Dafür werden Zärtlichkeiten wichtiger."

Die größten Bremser für den Sex im Alter sind Gesundheitsprobleme wie Diabetes und Bluthochdruck. Nach der Chicagoer Studie klagt jeder zweite der Befragten mindestens über ein sexuelles Problem. Mehr als ein Drittel der Männer waren von Erektionsstörungen betroffen, jeder siebte nimmt Viagra. 39 Prozent der Frauen litten unter trockener Scheide. "Das kann den Geschlechtsverkehr erschweren, doch die sexuelle Erregbarkeit bleibt Frauen bis ins hohe Alter nahezu unbeeinträchtigt erhalten", sagt Kirsten von Sydow, Psychologin und Autorin mehrerer Bücher zur Sexualität älterer Frauen.

Die Ursache von Problemen im Bett ist nicht nur der Gesundheitszustand, sondern häufig Stress. Vor allem Männer setzt es unter Druck, dass sich mit zunehmendem Alter die Leistung im Bett verändert. Sie fühlen sich nicht mehr männlich, wenn sie länger brauchen, um zum Orgasmus zu kommen oder es gar nicht mehr klappt. Frauen verunsichert das in ihrer Weiblichkeit. Sie haben oft das Gefühl, dem Mann nicht mehr zu genügen. Experte Hirsch erklärt das so: "Viele Menschen können nicht akzeptieren, dass ihr Körper alt wird und sie genieren sich sogar dafür."

Auch für Regina M., die "lebensbejahende, vitale Frau mit Ausstrahlung", ist Attraktivität wichtig. Drei Antworten auf ihre Kontaktanzeige fand die 79-Jährige bisher interessant. Doch der erste redete nur von seiner verstorbenen Frau, der zweite fragte, ob sie gut koche und der dritte hatte Essensreste auf seinem Oberhemd. "Er muss mir schon rundum gefallen. Aber so schnell gebe ich nicht auf", sagt sie. "Ganz egal, was meine Kinder sagen". Schließlich will sie Sex.

quelle: http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/sex-im-alter-das-ist-doch-abartig-mama-638070.html

Zu lange alleine?

Hallo liebe alleine gebliebene Frau.
Alleine im Alter. Über Jahre ohne Männlichen Kontakt das muss nicht sein.
Über Jahre die liebe Ehefrau und Mutter. Und nun alleine?
Sex tut auch im Alter noch gut. Sogar sehr gut. Es bringt Lebensfreude und Selbstbewusstsein. Warum also nicht Kontakt zu einem Mann aufnehmen?

Wenn du wieder etwas kontakt zu einem Mann haben möchtest melde dich doch mal...

Sex tut auch im alter gut

Miteinander reden

Es bleibt also den älteren Menschen selbst überlassen, sich über dieses gesellschaftliche Tabu hinweg zu setzen. Und eines der wichtigsten Instrumente dafür ist das offene Gespräch zwischen den Partnern, schon um Missverständnissen keine Chance zu lassen: „Ein Mann, der von seiner Frau zurückgewiesen wird, empfindet das als Liebesentzug“, berichtet Hans Georg Zapotoczky. „Die Frau, die sagt: Ich möchte heute nicht mit dir schlafen, drückt damit aber nur das aus, was sie gesagt hat – sie hat heute eben keine Lust.“ Nur wenn die Partner offen miteinander reden, können derartige Probleme aus der Welt geschafft werden. Gegenseitige Offenheit, das Eingehen auf den Partner und Verständnis für Probleme sind mindestens die halbe Miete, davon sind auch die Experten überzeugt. Körperliche Probleme führen erst in zweiter Linie zu Schwierigkeiten – und zur Notwendigkeit, sich mit einem Arzt offen über dieses Thema zu äußern, was weniger Schwierigkeiten zu bereiten scheint, als man anzunehmen geneigt ist, wie etwa Roland Frank aus seiner täglichen Praxis berichtet: „Ich spreche mögliche Probleme schon auch von mir aus an, häufiger sprechen mich aber die Patientinnen darauf an.“
Enttabuisierung von Erotik im Alter

Nicht selten berichten ältere Paare, dass sie erst im Alter richtig guten Sex hätten. Die amerikanische Soziologin Ruth Westheimer formuliert das in einem Interview mit dem deutschen Tagesanzeiger so: „Paare, die viele Jahre zusammen verbracht haben, wissen einfach besser was dem anderen gut tut und ihn befriedigt. Sie können sich aufeinander verlassen, dass sie jeweils für den anderen das Beste wollen.“

Filme wie, „Wolke 9“ hält Hans Georg Zapotoczky für einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung von Erotik und Sexualität im Alter: „Erotik hat sehr viel mit Freiheit zu tun“, hält er fest: „Wir sind nicht geschützt davor, auch in höherem Lebensalter eine erotische Faszination zu entdecken.“ Auch Urologe Heinrich Mossig zeigt sich davon überzeugt, dass Sex keine Frage des Alters ist, weder gäbe es einen „Zwang“ dazu, noch ein „Verbot“, meint er und bringt es auf einen einfachen Nenner: „Sexualität hat ein weites Spektrum – gut ist, was gut tut.“

Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: Erotik kennt keine Altersgrenze: Sexualität im höheren Lebensalter ist immer noch ein Tabu http://medizin.suite101.de/article.cfm/erotik_kennt_keine_altersgrenze#ixzz0w3E3pdTP

Erotik kennt keine Altersgrenze Sexualität im höheren Lebensalter ist immer noch ein Tabuthema

Zwei Menschen begegnen sich und erleben die ganz große Liebe. Sie geben sich einander hin, mit Leib und Seele. Ein Film des deutschen Regisseurs Andreas Dresen zeigt diese Begegnung in wunderschönen Bildern. Soweit so gut, schon oft gesehen. Dieser Film, er heißt "Wolke 9", ist allerdings anders, weil seine Protagonisten nicht Anfang 20, knackig und faltenlos sind, sondern Mitte 60 und über 80. Und das Paar hat Sex – und der wird explizit gezeigt. Damit wird ein immer noch sehr starkes Tabu gebrochen: Menschen in höherem Lebensalter haben nämlich keinen Sex mehr – soweit das gesellschaftliche Tabu – oder wenn sie ihn haben, dann sprechen sie natürlich nicht darüber. Filme wie "Wolke 9 "oder das neue Buch „Silver Sex" der berühmten Soziologin Dr. Ruth Westheimer („Fragen Sie Dr. Ruth“) brechen mit diesem Tabu und zeigen, wie erfüllend Sexualität auch im Alter sein kann.

„Erotik ist das ganze Leben. Erotik ist der ganze Mensch.“ So pointiert formuliert der Psychiater Univ.-Prof. Hans Georg Zapotoczky zum Thema „Sexualität im Alter“, so der Titel eines Symposiums im Haus der Barmherzigkeit, das am 15. November 2008 stattfand. Der renommierte Psychiater Zapotoczky ist einer der Vortragenden, und für ihn ist klar: „Erotik und Sexualität hören natürlich im Alter nicht auf.“ Der gleichen Meinung ist auch Dr. Heinrich Mossig, Urologe in Wien: „Das Interesse an Sexualität erlischt mit dem Älter nicht.“ Es kommt allerdings zu Veränderungen, die bedacht und besprochen werden sollten, damit Sexualität auch im Alter gelingt und erfüllt.
Revolution PDE5-Hemmer

In seiner Ordination betreut Urologe Mossig viele Männer über 80 und weiß, dass Sexualität für seine Patienten auch in diesem Alter ein wichtiges Thema ist: „Ich habe viele Patienten in diesem Alter, die sich für unterstützende Maßnahmen interessieren.“ Denn Erektionsfähigkeit und -festigkeit lassen im Alter nach, die Lust auf Sex allerdings nicht. Als „Revolution“ bezeichnet Heinrich Mossig in diesem Zusammenhang die Einführung der PDE5-Hemmer, die bei erektiler Dysfunktion sehr rasch helfen können – wenn der Patient ansonsten gesund und belastungsfähig ist. Nicht nur die Wirksamkeit der Medikamente, auch den gesellschaftlichen Diskurs, den Viagra und Co. ausgelöst haben, sieht Mossig positiv: „Die Tabuisierung dieses Themas lässt nach, es wird mehr und offener diskutiert.“ Dennoch: „Auch die Paare selbst müssen über ihre Sexualität sprechen, vor allem dann, wenn es – altersbedingt – zu Problemen kommt“, weiß der Wiener Urologe.
Tabuisierung der Sexualität im Alter

Und da hapert es manchmal gewaltig. „Immer wieder kommen Männer zur Beratung zu mir, die mir dann sagen: „Mit meiner Frau wird das aber nicht gehen.“ Solchen Patienten rät Mossig massiv zu Gesprächen mit der Partnerin, denn „eine andere Möglichkeit gibt es nicht.“ Das gilt natürlich auch umgekehrt, denn auch Frauen verlieren mit dem Alter keineswegs die Lust auf Sex, wie der Gynäkologe Dr. Roland Frank aus Wien berichtet. Was sich allerdings ändert, sind die Bedürfnisse, weiß der erfahrene Frauenarzt: „Die Frauen suchen mehr Geborgenheit, sie wollen kuscheln, sie wollen berühren – einfach Zärtlichkeiten austauschen – und natürlich wollen sie auch mit ihren Partnern schlafen.“

Der Gynäkologe berichtet ein Beispiel aus seiner Ordination: „Eine 77jährige Patientin berichtete mir vor kurzem freudestrahlend von ihrem neuen Freund, einem 60jährigen Mann, mit dem sie ein sehr erfülltes Sexualleben genießt. Die Patientin erzählte auch, sie hätte ihren Kindern davon berichtet – und die wären begeistert gewesen.“ Das ist ungewöhnlich, denn für Kinder ist die Sexualität ihrer Eltern und Großeltern ein strenges Tabu, wie auch Urologe Heinrich Mossig weiß: „Wenn man jung ist, fällt es schwer, sich ein Sexualleben im Alter vorzustellen. Das trägt sicher wesentlich zur Tabuisierung der Alterssexualität bei.“

Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: Erotik kennt keine Altersgrenze: Sexualität im höheren Lebensalter ist immer noch ein Tabu http://medizin.suite101.de/article.cfm/erotik_kennt_keine_altersgrenze#ixzz0w3E0EWUk

Mit 89 Jahren fängt das Leben nicht gerade an. Das heißt aber nicht, dass die Erotik im Alter verschwindet.

Drei Tage habe ich mich von deinem Rausch mitreißen lassen. Diese Nacht verbringe ich nicht mit dir, Mado. Ich habe Angst, mich völlig zu verausgaben." Als Marcel Mathiot diese Zeilen in sein Tagebuch schreibt, ist er 89 Jahre alt. Ein halbes Jahr zuvor ist, nach beinah 70 Jahren Ehe, seine Frau Kiki gestorben, und obwohl Mathiot von Herzen um sie getrauert hat, will er sich nicht als einsamer Witwer fühlen. Lieber wieder Junggeselle sein. Da trifft es sich gut, dass es in seinem langen und ausschweifenden Liebesleben immer schon viele Frauen gegeben hat, und genau die ruft er auch jetzt einfach wieder an: "Mado, die Fleischeslust; Hélène, die große Liebe meines Lebens; Louise, die sich Fantasien hingibt; Lili, geistige Harmonie und unendliche Zärtlichkeit."

Bis zu seinem Tod im Jahr 2004 mit 93 Jahren war Marcel Mathiot, Dorfschulmeister im französischen Contigné, nicht nur ein begeisterter Liebhaber, sondern auch ein leidenschaftlicher Chronist. Seit seinem 16. Lebensjahr führte er Tagebuch: über 21 000 Seiten, gefüllt mit den Träumen der Jugend und denen des Alters, mit Sehnsüchten und Erinnerungen, mit Alltagsbeobachtungen und Überlegungen, voller Humor, Herzlichkeit, Neugier und Glück. Und voller Liebe. Noch nie wurde so offen und charmant von der hochbetagten Liebe in all ihren Facetten geschrieben, "von flüchtiger Verliebtheit bis zur leidenschaftlichen Verrücktheit, von zartester geistiger Liebe bis zur nackten Fleischeslust".

Erotik im Alter: Monsieur Mathiot war ewig verliebt
Marcel Mathiot am 1. Mai 1999. Da war er 89 - und hatte die Maiglöckchen nicht für sich selbst gekauft.

Marcel Mathiot am 1. Mai 1999. Da war er 89 - und hatte die Maiglöckchen nicht für sich selbst gekauft.

Entdeckt hat diesen Schatz die französische Rundfunk- Journalistin Claire Hauter. Sie war auf Marcel Mathiot neugierig geworden, als er einige Male nach ihren Radiosendungen angerufen und - dezidiert und pointiert - etwas zu dem gesagt hatte, was zuvor zu hören gewesen war. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, verabredeten einen Besuch, aus dem Claire Hauter eine weitere Sendung machte, eine rührende halbe Stunde, in der Marcel Mathiot aus seinem Leben erzählt, mit der heiseren, verwitterten Stimme eines Greises, in der aber eine verblüffende Jugend mitschwingt, ein Timbre von Lebenslust, Begeisterungsfähigkeit und Glück.

Die beiden hörten alte Chansons, summten und sangen mit, Marcel Mathiot erinnerte sich an die jungen Jahre, an die Liebe, seufzte ein paarmal, gluckste häufiger vor Vergnügen. Und las schließlich auch aus seinen Tagebüchern vor. "Ich muss einfach schreiben, ich kann nicht anders", sagte er damals in der Sendung, "und beim Lesen sehe ich dann alles noch einmal vor mir, ich erlebe es noch einmal." Eigentlich, hatte Claire danach zu Marcel Mathiot gesagt, eigentlich müsste man diese Tagebücher veröffentlichen. Und Marcel Mathiot hatte sich geziert, natürlich. Aber doch immerhin verfügt, dass die Journalistin es nach seinem Tod dürfte - mit Einwilligung seiner Kinder. Sie hat es gemacht, zusammen mit dem Schriftsteller Bernard Fillaire hat sie alle 21 000 handschriftlichen Seiten gelesen, katalogisiert und verschlagwortet. Nach sieben Monaten Arbeit konnte sie so schließlich ein wunderbares Buch zusammenstellen, in dem die wichtigsten Einträge der letzten 40 Monate im Leben Marcel Mathiots an den passenden Stellen um Notate aus früheren Jahren ergänzt sind. Sie zeigen, wie Erinnerung im Alter und Erfahrung von einst ineinandergreifen, wie Marcel Mathiot dank seiner Tagebücher in allen Lebensaltern zugleich lebte, welche Geschichte und Gegengeschichte seine Gedanken zuweilen haben.